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Die
beiden Schriften Die Bäder von Lucca
und Die Stadt Lucca entstanden in den
Jahren 1830/31. An der Oberfläche eine launische
und kurzweilige Darstellung einer Reise durch die Toskana,
sparen die Episoden doch nicht mit beißender Polemik
gegen die politischen und geistigen Zustände in
Deutschland.
Der
Chronist besucht den Markese Christophoro di Gumpelino.
Der Markese charakterisiert seinen manchmal etwas widerspenstigen
Diener Hyazinth so:
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"Es
ist ein teurer Mensch" - sagte der Markese - "sonst
hätte ich ihn längst abgeschafft, wegen seines
Mangels an Etikette. Vor Ihnen hat das nichts zu bedeuten.
Sie verstehen mich. Wie gefällt Ihnen seine Livree?
Es sind noch für vierzig Taler mehr Tressen dran
als an der Livree von Rothschilds Bedienten. Ich habe
innerlich mein Vergnügen, wie sich der Mensch bei
mir perfektioniert. Dann und wann gebe ich ihm selbst
Unterricht in der Bildung. Ich sage ihm oft: Was ist
Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.
Ja, Herr Doktor, wenn ich, was Gott verhüte, mein
Geld verliere, so bin ich doch immer noch ein großer
Kunstkenner, ein Kenner von Malerei, Musik und Poesie.
Sie sollen mir die Augen zubinden und mich in der Galerie
zu Florenz herumführen, und bei jedem Gemälde,
vor welches sie mich hinstellen, will ich Ihnen den
Maler nennen, der es gemalt hat, oder wenigstens die
Schule, wozu dieser Maler gehört. Musik? Verstopfen
Sie mir die Ohren und ich höre doch jede falsche
Note. Poesie? Ich kenne alle Schauspielerinnen Deutschlands
und die Dichter weiß ich auswendig. Und die Natur!
Ich bin zweihundert Meilen gereist, Tag und Nacht durch,
um in Schottland einen einzigen Berg zu sehen. Italien
aber geht über alles. Wie gefällt Ihnen hier
diese Naturgegend? Welche Schöpfung!"
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Einige
Kapitel später schildert Hyazinth, der vor seiner
Beschäftigung als Diener des Markese in Hamburg
mit dem Verkauf von Lotterielosen sein Geld verdiente,
seine Sicht der Dinge:
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"Gedichte?
Nein, ich bin ein Freund von Gedichten, aber ich schreibe
doch keine. Was sollte ich schreiben? Ich hatte eben
nichts zu tun, und zu meinem Vergnügen machte
ich mir eine Liste von den Namen derjenigen Freunde,
die einst in meiner Kollekte gespielt haben. Einige
davon sind mir sogar noch etwas schuldig - Glauben
Sie nur nicht, Herr Doktor, ich wolte Sie mahnen -
das hat Zeit, Sie sind mir gut. Hätten Sie nur
zuletzt 1365 statt 1364 gespielt, so wären Sie
jetzt ein Mann von hunderttausend Mark Banko, und
brauchten hier nicht herumzulaufen, und könnten
ruhig in Hamburg sitzen, ruhig und vergnügt,
und könnten sich auf dem Sofa erzählen lassen,
wie es in Italien aussieht. So wahr mir Gott helfe!
ich wäre nicht hergereist, hätte ich es
nicht Herrn Gumpel zuliebe getan. Ach, wieviel Hitz
und Gefahr und Müdigkeit muß ich ausstehen,
und wo nur eine Überspannung ist oder eine Schwärmerei,
ist auch Herr Gumpel dabei, und ich muß alles
mitmachen. Ich wäre schon längst von ihm
gegangen, wenn er mich missen könnte. Denn wer
will nachher zu Hause erzählen, wieviel Ehre
und Bildung er in der Fremde genossen? Und soll ich
die Wahrheit sagen, ich selbst fang an, viel auf Bildung
zu geben. In Hamburg hab ich sie Gottlob nicht nötig:
aber man kann nicht wissen, man kommt einmal nach
einem anderen Ort. Es ist eine ganz andere Welt jetzt.
Und man hat recht: so ein bißchen Bildung ziert
den ganzen Menschen."
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| Quelle:
Heinrich Heine, Die Bäder von Lucca - Die Stadt Lucca,
Reclam Universal-Bibliothek Nr. 3602, Stuttgart, 1978. |
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